Otter

Der Otter ist das Wappentier von Småland – und ein echter Publikumsliebling. Doch lange Zeit war er bedroht: Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde er stark wegen seines Fells gejagt. In den 1960er- und 1970er-Jahren sorgten auch Umweltgifte im Wasser dafür, dass seine Zahl zurückging. Seit 1968 steht er unter Schutz.

Der Otter ist ein hervorragender Schwimmer. Mit seinem schlanken Körper gleitet er fast lautlos durchs Wasser, seine Schwimmhäute machen ihn schnell und sein dichtes Fell hält ihn selbst im Winter warm.

Otter sind Raubtiere – sie fressen vor allem Fische, aber auch Frösche, Krebse und manchmal Vögel. Meist jagen sie nachts, wenn es am Ufer ruhiger ist. Damit halten sie die Natur im Gleichgewicht. Doch Otter können auch verspielt sein: Im Winter rutschen sie gerne über das Eis.

Hechte

Der Hecht ist ein Raubfisch und steht an der Spitze der Nahrungskette – er hat kaum Feinde. Er ist ein geschickter Jäger mit scharfem Blick, auch in trübem Wasser. Mit seinem langen, schlanken Körper schießt er blitzschnell vor und packt seine Beute mit scharfen Zähnen. Er frisst kleine Fische, Frösche, Vögel und sogar kleine Säugetiere.

Hechte leben in Süß- und Brackwasser, wo sie sich gern im Pflanzenwuchs verstecken und auf Beute lauern. Liegen sie aber zu nah an der Oberfläche, können Seeadler oder Fischadler sie entdecken und zuschlagen.

In Schweden essen wir Hecht nicht so oft, in anderen Ländern ist er jedoch sehr beliebt – und wird schon seit dem Mittelalter exportiert. Weil er nur wenige Feinde hat, kann er sehr alt und groß werden: bis zu 1,5 Meter lang und über 25 Kilo schwer!

Spechte

Kaum ein Vogel ist so unverwechselbar wie der Specht. Mit seinem typischen Hämmern am Baumstamm ist er schon von Weitem zu hören. Bis zu 20 Mal pro Sekunde hämmert er – ohne Kopfschmerzen, dank starker Halsmuskeln, dicker Schädelknochen und einem Schnabel, der Stöße abfedert.

Spechte klopfen, um Insekten zu finden, aber auch um Nester zu bauen. Mit ihrer langen, klebrigen Zunge erreichen sie Larven tief im Holz. Sie sind aber auch Räuber und fressen manchmal die Küken anderer Vögel.

Ihre Baumhöhlen nutzen sie nur ein Jahr lang – danach ziehen andere Tiere wie Vögel, Fledermäuse oder Eichhörnchen ein. Ein schlauer Vogel ist der Specht außerdem: Er holt sich Zapfen, steckt sie in ein vorbereitetes Loch im Baum und kann so in Ruhe die Samen herauspicken.

Frösche

Frösche sind faszinierende Tiere: Sie können im Wasser und an Land leben. Sie haben Lungen, atmen aber auch über ihre Haut. Als Kaulquappen besitzen sie Kiemen und Schwänze – die verschwinden, während sie Beine entwickeln.

Frösche fressen Insekten und kleine Tiere. In Huseby finden sie ideale Bedingungen, um ihre Eier im Wasser abzulegen. Aus ihnen schlüpfen im April oder Mai die Kaulquappen. Weil Frösche empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren, zeigen sie uns auch, wie gesund die Natur ist. Und auch wenn sie süß aussehen – bitte nicht mit den Händen anfassen!

 

Schlange

Schlangen sind Reptilien ohne Beine – aber ihr Skelett zeigt, dass sie vor vielen Tausend Jahren einmal Beine hatten. Sie bewegen sich auf ganz eigene Weise fort. Ihre Schuppen sind am Bauch größer, dadurch können sie sich am Boden abstützen und flink schlängeln. Viele Schlangen schwimmen gut, manche klettern sogar auf Bäume – allerdings nicht in Schweden.

Hier gibt es nur Ringelnattern und Kreuzottern. Sie fressen kleine Tiere und Fische. Ihre Zunge strecken sie heraus, um zu riechen. Außerdem spüren Schlangen Vibrationen im Boden und verschwinden schnell, wenn sich jemand nähert.

Mücken

Kaum jemand mag Mücken. Diese winzigen Insekten gibt es fast überall auf der Welt. Jeder kennt das Jucken nach einem Stich – aber nur die Weibchen stechen, weil sie Blut für ihre Eier brauchen. Die Männchen trinken dagegen Blütennektar.

So lästig sie uns erscheinen: Für die Natur sind Mücken wichtig. Sie sind Futter für Vögel, Fledermäuse und Frösche. Und ihre Larven helfen sogar dabei, Wasser zu reinigen.

Eisvogel

Zisch, zisch, zisch – so flitzt der kleine Eisvogel am Ufer entlang. Sein Ruf klingt wie eine dünne, helle Pfeife. Nur wenige Vögel sind so bunt wie dieser kleine Juwel, und er ist recht selten. Wenn du also einen blauen Blitz mit spitzem Schnabel siehst – schau genau hin!

Weil er so klein ist, meidet der Eisvogel starke Strömungen und hält sich lieber an stillen oder langsam fließenden Gewässern auf. Dort gräbt er in den Sandbänken einen kleinen Tunnel für sein Nest.

Das Jagen ist seine Lieblingssportart: Geduldig sitzt er auf einem Ast und wartet, bis ein Fisch im seichten Wasser auftaucht. Dann stürzt er sich blitzschnell hinab, spießt den Fisch mit seinem Schnabel auf, betäubt ihn durch Schlagen – und schluckt ihn schließlich ganz, Kopf zuerst. So bleibt der Fisch nicht im Hals stecken.

Der Lindwurm

Der Lindwurm ist ein riesiges Schlangenmonster – fast sechs Meter lang und so dick wie der Oberschenkel eines erwachsenen Mannes. Auf seinem Rücken wächst struppiges Haar, und sein Kopf sieht aus wie der eines Hechts. Auf dem Kopf trägt er sogar eine Krone. Man nennt ihn den König aller Schlangen.

Der Lindwurm versucht, seine Opfer zu hypnotisieren – mit seinem starren Blick. Wenn er sich schnell bewegen will, beißt er sich selbst in den Schwanz. Dann rollt er sich zu einem riesigen Kreis zusammen und sieht aus wie das gewaltige Mühlrad neben der Mühle von Huseby. In dieser Form nennen ihn die Leute auch: das Rad-Wurm-Ungeheuer.

 

DIE GESCHICHTE

Vor vielen Jahren stand direkt hinter dem Laden in Huseby ein riesiger, beeindruckender Lindenbaum. Gustava, eine der Frauen, die auf dem Gut arbeitete und nebenan wohnte, sagte, der Baum sei über 100 Jahre alt gewesen.

Und: Wenn ein Lindenbaum so alt wird, kann ein Lindwurm darin geboren werden.

Gustava erzählte, dass einmal ein Junge auf diesen Baum kletterte – und plötzlich durch den hohlen Stamm hinein und hinunterfiel. Man hat ihn nie wieder gesehen.

„Der Lindwurm hat ihn geholt“, sagte Gustava.

Damit das Monster nicht aus dem Baum herauskommen konnte, schlugen die Leute drei eiserne Bänder um den Stamm. Denn Metall – besonders Eisen – nimmt dem Lindwurm seine Kraft.

Viele Jahre später wurde der alte Baum gefällt. Ganz unten, tief im hohlen Stamm, fand man das getrocknete Skelett einer gewaltigen Schlange.

 

WIE DU DICH SCHÜTZEN KANNST

Wenn der Lindwurm sich in den Schwanz beißt und aussieht wie ein rollendes Rad, dann mach dich ganz klein und rolle dich ebenfalls zusammen – so kann er dich nicht erkennen.

Und: Schließ die Augen! Sonst kann er dich mit seinem Blick hypnotisieren.

Gloson

DAS GEISTER-SCHWEIN

In Värend, so nannte man früher diese Gegend in Smålandb/smoland/ erzählte man sich von einem unheimlichen Wesen: GLO-SO.
„Glo“ bedeutet starren, und „so“ heißt Muttersau.

Gloson war ein riesiges, geisterhaftes weißes Schwein – so groß wie ein Schneepflug! Ihre Augen waren rund wie Untertassen – aber sie glühten wie Feuer.
Der Rücken von Gloson sah aus wie eine Säge, mit Klingen so scharf wie Rasiermesser.
Und wenn sie grunzte, bebte der Boden.

Wenn Gloson nachts einen ehrlichen, christlichen Menschen sieht, rennt sie mit voller Wucht zwischen dessen Beinen hindurch – und kann ihn in zwei Hälften spalten.

 

DIE NACHT, ALS IDA GLOSON BEGEGNETE

Früher, wenn draußen schlimmes Wetter war, sagten die Leute:

„Das ist so eine Nacht, an der Gloson unterwegs ist!“
Solches Wetter nannte man sogar Gloson-Wetter.

Eines Abends, sehr spät, verließ die junge Kammerzofe (Dienstmädchen )namens Ida das Schloss von Huseby.
König Oskar II. war zu Besuch – und das bedeutete jede Menge Extraarbeit.
Es regnete in Strömen, der Wind heulte durch die Bäume, und die dunkle Schotterstraße zum alten Schmiedehaus war menschenleer.

Gerade als Ida zwischen den Bäumen entlangging, begann die Erde leicht zu beben.
Dann hörte sie ein schreckliches Grunzen – tief, grollend, unheimlich.
„Oh nein“, flüsterte Ida, „bitte nicht … Ich hoffe, das ist nicht Gloson.“

Doch im nächsten Moment sah sie sie: Zwei riesige, feuerrote Augen starrten sie an und stürmten direkt auf sie zu! Ida wusste sofort, was zu tun war:

Sie kreuzte die Beine,
verschränkte die Arme über der Brust,
und dachte nur an ihre Großmutter, die ihr gesagt hatte:

„Wenn Gloson kommt – mach das Kreuz. Dann hat sie keine Macht.“

Im allerletzten Moment grunzte Gloson laut, wandte sich zur Seite und verschwand in den Bäumen.

Ida stand still, das Herz klopfte ihr bis zum Hals.
Aber sie war gerettet. „Danke, Oma“, dachte sie und atmete tief durch. Dann machte sie sich weiter auf den Heimweg.

 

WIE DU DICH SCHÜTZEN KANNST

Wenn dir Gloson begegnet – überkreuze die Beine!
Denn das Kreuz – ob in Worten oder in Gesten – raubt ihr die Kraft.

Kreuze auch deine Arme über der Brust, deine Finger, und – wenn du magst – sogar deine Augen!
Je mehr Kreuze, desto besser!

Die Waldfrau

DIE DAME DES WALDES

Die Frau des Waldes ist die Herrscherin über alle Tiere im Wald. Sie ist wunderschön und hat langes Haar – aber wenn sie sich umdreht, sieht ihr Rücken aus wie ein hohler Baumstamm. Oft hat sie auch einen Schwanz, der wie ein Fuchsschwanz aussieht. Manchmal kann man sie auf einem Elch reiten sehen – dem größten wilden Tier im schwedischen Wald.

Sie ist kein böses Wesen, aber für Menschen kann sie sowohl freundlich als auch gemein sein. Oft hat sie den Köhlern geholfen, wenn deren Kohlenmeiler fast abgebrannt wären. Ein Köhler ist jemand, der mehrere Monate im Wald lebt und aus Holz Holzkohle macht.

Wenn Jäger im Wald unterwegs sind, kommt sie gerne näher, nimmt ein Gewehr in die Hand und bläst leicht in den Lauf. Wer dieses Gewehr besitzt, hat dann den ganzen Tag Jagdglück.

 

Im Huseby-Wald nennt man die Waldfrau Talle-Maja. Sie mag Männer – egal ob jung oder alt – und führt sie gerne tief in den Wald hinein, bis sie sich verirren. Dann lacht sie ein böses Lachen und verschwindet.

Einmal fuhr Talle-Maja zur Sigfridsmesse, dem Jahrmarkt in Växjö. Sie zog ihre schönsten Kleider an und steckte ihren Schwanz hinten in den Bund ihres Rocks. Dann nahm sie den Bus nach Växjö und spazierte über den Markt, um all die schönen Dinge anzusehen. Doch plötzlich rutschte ihr der Schwanz heraus und war unter dem Rock zu sehen. Ein junger Mann, der sie schon einmal im Huseby-Wald gesehen hatte, erkannte sie. Er ging schnell zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr:
„Gnädige Frau, der Saum hängt herunter.“

Talle-Maja wusste sofort, was er meinte, und zog schnell ihren Schwanz wieder hoch. Als Dank hatte der junge Jäger von diesem Tag an immer Glück bei der Jagd im Huseby-Wald.

WIE DU DICH SCHÜTZEN KANNST

Wenn Talle-Maja dich in den Wald lockt und du dich verirrt hast:
Zieh deine Jacke auf links, dann findest du den Weg nach Hause.