Die Trolle

Trolle sind meistens harmlos. Sie leben wie Familien – tief in den Bergen oder weit draußen im dichten Wald. Viele von ihnen sind uralt. Aber wehe, wenn sie von Sonnenlicht getroffen werden – dann zerspringen sie!

Trolle sind meistens klein, etwa so groß wie halbwüchsige Kinder, und – ehrlich gesagt – nicht besonders hübsch. Es gibt sogar ein altes Sprichwort:

„Es gibt nur eins, das hässlicher ist als ein Troll – zwei Trolle!“

Manchmal tauschen die Trolle heimlich ihr eigenes Baby gegen ein Menschenkind aus. Das Trollkind, das dann bei den Menschen bleibt, nennt man einen Wechselbalg. Früher glaubten die Leute, so könnte man erklären, warum manche Kinder anders aussahen oder sich seltsam verhielten.

Ab und zu kam es sogar vor, dass Trolle Kinder oder Erwachsene entführten. Wenn jemand plötzlich im Wald verschwand, sagte man:

„Die Trolle haben ihn mitgenommen.“

DIE GESCHICHTE VON KERSTIN

Es war einmal ein junges Mädchen namens Kerstin, das ganz in der Nähe der Mühle von Huseby lebte. Eines Tages, als sie die Kühe im Wald hütete, verschwand sie spurlos.

Alle suchten nach ihr – aber sie fanden nur die Kühe. Kerstin war von den Trollen geholt worden.

Tief im Inneren eines Berges musste sie nun für die Trolle schuften: kochen, putzen, Kinder hüten. Sie musste sogar riesige goldene Schüsseln ins Sonnenlicht tragen – denn die Trolle benutzten sie drinnen im dunklen Berg wie Lampen.

Manchmal setzten die Trolle ihr eine Zaubermütze auf, mit der sie unsichtbar wurde. So schickten sie sie los, um Essen zu stehlen.
Eines Tages sollte Kerstin zu der Huseby-Mühle, um Getreide zu holen.
Aber dann – Bums! – stieß sie mit dem Müller zusammen. Der konnte sie zwar nicht sehen, aber die tze war verrutscht, und plötzlich war Kerstin sichtbar!

Alle waren überglücklich, dass Kerstin wieder da war.
Aber – die Arme, das arme Mädchen! – sie hatte so viele Jahre lang so schwere Sachen geschleppt, dass ihre Arme nun bis zum Boden hingen. Und so blieben sie für immer.

WIE DU DICH SCHÜTZEN KANNST

Trolle hassen Knoblauch, Feuer, Metall und alles, was mit christlichen Worten zu tun hat.
Trag ein Trollkreuz aus Eisen oder Metall um den Hals – das hält sie fern.
Und wenn du dich allein in einem dunklen Wald wiederfindest:
Sing ein Kirchenlied so laut du kannst!
Dann laufen die Trolle davon – so schnell sie können!

Die Feen

Die Feen gelten als sehr gefährlich.
Sie leben unter der Erde, ganz in der Nähe der Plätze, an denen sie tanzen.
Sie tragen weiße Kleider und sehen aus wie kleine Mädchen.
Spät in der Nacht oder früh am Morgen kann man sie manchmal im Nebel tanzen sehen –
über Wiesen, Hügeln und Mooren.

Dort, wo sie tanzen, bleibt ein Kreis im Gras zurück –
ein sogenannter Feenring.
Ihr Tanz wird das Feenspiel genannt –
und man darf niemals bei diesem Spiel mitmachen.
Denn wenn die Feen wütend werden –
und das passiert ziemlich schnell –
können sie dich mit allen möglichen Krankheiten belegen.

Es gibt besondere Steine mit kleinen und großen Löchern,
sie heißen Feensteine.
Wenn du Fett und eine Münze in die Löcher legst,
nehmen die Feen das Geld –
und nehmen auch die Krankheit wieder weg,
die sie dir gegeben haben.

Schon im Mittelalter hatten die Menschen große Angst vor dem Feenspiel.
Ein junger Soldat namens Olof,
lebte in einem kleinen Haus namens Marhult, ganz in der Nähe von Huseby.

Am Morgen vor seiner Hochzeit
ritt er in der Früh auf seinem Pferd hinaus.
Da sah er plötzlich die Feen auf einem Hügel tanzen.
Die Feenkönigin bemerkte ihn,
streckte ihm die Hand entgegen und winkte ihn zu sich.

Aber Olof nahm ihre Hand nicht
er wusste, das konnte gefährlich sein.
Da wurde die Königin zornig.
Sie sagte:

„Etwas Schreckliches wird dir passieren!“

Olof drehte sein Pferd um und ritt so schnell er konnte nach Hause.
Doch kaum war er dort,
wurde er plötzlich sehr krank
und fiel vom Pferd.
Man trug ihn ins Haus –
aber noch bevor die Sonne unterging,
war er tot.

Die Hochzeit … wurde nie gefeiert.
Sie blieb nur eine traurige Erinnerung.

WIE DU DICH SCHÜTZEN KANNST
Tanze niemals mit einem kleinen Mädchen,
das ganz in Weiß gekleidet ist –
vor allem nicht spät in der Nacht oder früh am Morgen.
Denn es könnte eine Fee sein …
und wenn du mitspielst,
kann das böse enden.

Das Bach-pferd

Nach schwedischem Volksglauben ist der Wassergeist namens cken ein gefährliches Wesen. Er will Menschen ins Wasser locken, damit sie ertrinken. Wie viele andere Geister kann auch Näcken seine Gestalt verändern – manchmal verwandelt er sich in ein weißes Pferd, das man das Bach-Pferd nennt.

Am Gutshof Huseby soll das Bach-Pferd oft in der Nähe der Seen Salen und Åsnen gesehen worden sein. Es versucht, Kinder zu überlisten: Es lässt sie auf seinen Rücken klettern – und dann stürmt es ins Wasser, um sie zu ertränken.

An einem Sommertag – es war der erste Ferientag der Schulkinder von Huseby – beschlossen alle, zum See zu gehen und dort zu baden. Auf dem Weg dorthin sahen sie aber ein großes, weißes Pferd auf der Wiese stehen. Zwar gab es viele Pferde auf Huseby, aber so ein wunderschönes Pferd hatten sie noch nie gesehen. Neugierig gingen sie näher, streichelten es – und das Pferd schien das richtig zu genießen.

Plötzlich beugte es seine Vorderbeine – als ob er die Kinder einladen wollte drauf zu steigen. Einer der Jungen kletterte auf seinen Rücken. Das Pferd blieb ganz ruhig,  also stiegen auch die anderen Kinder auf. Und je mehr Kinder aufstiegen, desto nger wurde sein Rücken! Schließlich saßen alle zwölf Kinder auf dem Pferd.

Da drehte das Pferd den Kopf zum See – und galoppierte los.

„Mein Gott! Wo bringt er uns hin?!“, rief Anders, einer der Jungen, erschrocken.

In dem Moment, als das Pferd den Namen Gottes hörte, blieb es ruckartig stehen. Es schüttelte sich – und alle Kinder flogen vom Rücken ins Gras. Dann drehte sich das Pferd um, rannte zum Wasser und verschwand mit einem großen Platschen im See.

Erst jetzt begriffen die Kinder, auf was für einem Pferd sie gesessen hatten. Seit diesem Tag nennt man diese Wiese: Die Bach-Pferd-Wiese.

 

WIE DU DICH SCHÜTZEN KANNST

Wenn du ein Stück Stahl zwischen das Pferd und den See wirfst, verliert es seine Macht. Und noch etwas: Das Bach-Pferd hasst alles Christliche. Wenn du also „Mein Gott!“ oder Ähnliches rufst, verliert es sofort seine Kraft.